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Jubiläum mit neuen Erkenntnissen
"Lay back, listen and enjoy" ist zwar das Motto vom Sunday Afternoon Project, das für die musikalische Begleitung des 2. Würzburger Werkstattgespräches der Firma König & Müller sorgte, aber bei diesem "Freitag Nachmittag Projekt" durften sich Herbert König und Gerhard Müller wohlverdient "zurücklehnen, zuhören und genießen" und auf fünf Jahre zurückblicken, die sie gemeistert haben. |
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Im Interview in not 3/2002 berichteten die beiden, wie das Zentrum für Klinische Neuropsychologie König & Müller und die GNP-Akademie entstanden sind - gute Zeiten, schwierigere Zeiten. Aber sie haben es geschafft und das galt es zu würdigen und zu feiern. Eingeladen war in den Toskana-Saal der Residenz in Würzburg - einem wunderschönen Saal mit Blick auf den Hofgarten in eben dieser .Residenz', dem mächtigen Schloss über Würzburg, das als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt ist. Freunde, Referenten, Wegbegleiter, Förderer und die Familien der beiden Gründer waren von nah und fern gekommen. Anerkennung für den
Mut zur Selbständigkeit |
Die Bereitschaft
zur Zusammenarbeit mit den Kostenträgern ist über die Jahre nicht
einfacher geworden. Das Gesundheitswesen ist im Umbruch. Nichts desto trotz
darf nicht außer Acht gelassen werden, dass auf Grund immer schnellerer
und effektiverer Technik immer mehr Menschen gerettet werden können,
also heute Menschen überleben können, deren Erkrankungen und Unfälle
früher den sicheren Tod bedeutet hätten. Diesen Menschen muss
dauerhaft geholfen werden, so zum Beispiel brauchen sie Hilfe, um an ihren
neuropsychologischen Defiziten arbeiten zu können. Seitdem l. Januar 2000 führt König & Müller auch die GNP-Akademie, das Aus- und Fortbildungsinstitut für Neuropsychologen, die eine wichtige Rolle in der Qualitätssicherung der Gesellschaft für Neuropsychologie darstellt. So hat sich diese Zusammenarbeit als sehr fruchtbar erwiesen. Die GNP ist innerhalb der letzten fünf Jahre von 800 Mitgliedern auf inzwischen circa 1400 Mitglieder angewachsen. Danach stellte Bernd Frittrang den Landrat des Landkreises Würzburg, Waldemar Zorn vor. Dieser sprach nicht nur in seiner Funktion als Landrat, sondern auch als betroffener Vater. Die Praxis König & Müller konnte seinem Sohn nach einer Tumor-Operation dahingehend helfen, dass er schon zwei Semester später sein Studium wieder aufnehmen konnte. Als Landrat ist er Gesellschafter des "Würzburger Technologie- und Gründerzentrums", in dem König & Müller seine ersten Räume bezog. Er gratulierte mit den Worten: "Sie haben es als Unternehmen geschafft!". Dritter Redner war der Sozialreferent der Stadt Würzburg und Bezirksrat für Unterfranken, Dr. Peter Motsch, der sich unter anderem auch für die Behindertenarbeit und Selbsthilfegruppen engagiert. Er lobte dreifachen Mut: erstens den Mut zur Existenzgründung, zweitens den Mut, multidisziplinär zu arbeiten und drittens den Mut zur Veranstaltungsreihe "NeuroLoquium". |
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Das NeuroLoquium ist ein interdisziplinäres,
regionales und fallbezogenes Expertengespräch, das seit Dezember
1997 regelmäßig circa alle zwei Monate in Würzburg etabliert
wurde für interdisziplinäre Gespräche. |
Genossen wurde in der Pause auch der originelle Imbiss, den Hans Fuchs mit seinem Seminarhotel Haus Franken kreiert hatte. Das Haus Franken wird jedem Neuropsychologen und jeder Neuropsychologin ein wohlvertrauter Ort, da hier die Würzburger Seminare der GNP-Akademie stattfinden. Großer Bedarf an ambulanter
Klinischer Neuropsychologie |
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Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Herrmann, Universität Bremen, Center for Cognitive Sciences, Department of Neuropsychology sprach zum "Bedarf an ambulanter Klinischer Neuropsychologie". Grundlage zu seinem Vortrag war eine Untersuchung in Süddeutschland (Bayern und Baden-Württemberg), in der circa 1.000 Behandler, niedergelassene und in Kliniken tätige Nervenärzte, Psychologen, Neuropsychologen, befragt worden waren. Es wurde nach der Versorgungssituation, den Angebotsprofilen, der Behandlungsform (ambulant/teilstationär etc.) gefragt. Die genannten Arten neuropsycho-logischer Defizite wie auch der Versorgungsbedarf variierten zwischen den befragten Akut- und Rehakliniken, sowie Nervenärzten und Neuropsychologen. Als mögliche Versorgungsmodelle wurden genannt: Die teilstationäre Rehabilitation in Form einer Tagesklinik, die ambulante Rehabilitation in der Klinik, ambulante Therapiegemeinschaften, ambulante Rehabilitation in kooperierenden Gruppenpraxen, ambulante Rehabilitation in Einzelpraxen. Fazit: Einem deutlichen Behandlungsbedarf steht nur eine rudimentäres Behandlungsangebot gegenüber. Der Versorgungsbedarf wird von unterschiedlichen Leistungserbringern auch unterschiedlich formuliert. So werden auch die ambulanten Versorgungsmodelle unterschiedlich präferiert.Seit fünf Jahren ist die Klinische Neuropsychologie nun wissenschaftlich anerkanntes Therapieverfahren, aber nicht im Psychotherapeutengesetz verankert. Mittlerweile gibt es etwa 300 zertifizierte Neuropsychologen. Das Versorgungsangebot ist noch immer viel zu gering. Eine neue Vereinbarung zur Honorierung neuropsychologischer Leistungen ist notwendig. |
Dr. phil. Renate
Drechsler, Neuropsychologin und Linguistin an der Universität Zürich
am Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie - Forschungsabteilung
fragte "Braucht es eine Neuropsychologie des Kindesalters?". Ihre
Antwort: "Ja, es braucht eine spezielle Neuropsychologie des Kindesalters!"
Warum? Die Kinder-Neuropsychologie arbeitet nicht nur in den ,üblichen'
Gebieten der Neuropsychologie, sondern auch bei Teilleistungsstörungen
und im Gebiet der Kinder und Jugendpsychiatrie. Renate Drechsler macht immer
wieder die Erfahrung, dass sich die allgemeine Annahme oder wohl besser:
das Vorurteil "Bei Kindern wachse sich das alles schon wieder zurecht
..." hartnäckig hält. Der Zeitpunkt der Läsion hat große
Bedeutung für die langfristigen Auswirkungen, das heißt wie alt
war das Kind zum Zeitpunkt des Traumas und welche Entwicklungsstufen hatte
es zu diesem Zeitpunkt noch vor sich. Die Folgen des Traumas zeigen sich
erst in späteren Entwicklungsphasen. So ist die katamnestisch erhobene
"Wiedereinschulung" kein Indiz für den Abbruch der Begleitung
beziehungsweise Untersuchung. Im Kindesalter erworbene Läsionen zeigen
ihre Symptome in großer Zahl bis weit in das Erwachsenenalter. Ab
welchem Alter ist eine neuropsycho-logische Diagnostik möglich? Die
Verfahren müssen kindgerecht und dem Entwicklungsstand angepasst sein.
Auch ist das Vorurteil ,Neuropsychologische Diagnostik bei geistig Behinderten
lohnt nicht' schlicht falsch. Die Neuropsychologie im Kinder- und Jugendalter
ist etwas anderes als eine Neuropsychologie des Erwachsenenalters und wird
so in der Ausbildung nicht vermittelt. Die Diplom-Psychologin Claudia Wendel aus der Praxis Professor Fries in München gab einen Einblick in die Untersuchung "Neuropsychologische Prädiktoren für beruflichen Wiedereingliederungserfolg nach Hirnschädigung". |
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| In dieser Studie
wird die Vorhersagekraft verschiedener Faktoren aus dem Rehabilitationsverlauf
bezüglich beruflicher Wiedereingliederung untersucht, wobei der Beforschung
personinterner Steuerungs- und Anpassungsleistungen ein besonderer Stellenwert
zukommt. Zur Beforschung von Outcome beziehungsweise beruflicher Wiedereingliederung nach Hirnschädigungen wird ein theoretisches Modell zugrunde gelegt. In diesem Modell wird angenommen, dass der Einfluss von Parametern der Erkrankung (klinisches Potential) und von Funktionsbeeinträchtigungen auf das Outcome, also die Leistungsfähigkeit (Performance) in Therapie, Alltag und Beruf, durch eine dritte Instanz, der Psychischen Exekutive, vermittelt wird. Aufgrund der Relevanz von individuellen Prozessen der Krankheitsverarbeitung und subjektiver Bedeutungsgebung (bspw. Lucius-Hoene, 1997; 2000) wurde dieses Konzept eingeführt. Hiermit wird abgebildet, inwieweit es der Person gelingt, Veränderungen zu akzeptieren, in die Handlungsplanung einzubeziehen und sich als kontrollierend beziehungsweise regulierend zu erleben. Die Ausprägung der psychischen Exekutive bei Hirngeschädigten ist einerseits im Sinne einer bereits prämorbid bestehenden Größe als stabil anzunehmen, andererseits durch schwerwiegende Einschnitte und Veränderungen, beispielsweise der kognitiven Funktionsfähigkeit, auch als fragil und veränderbar. Das geschilderte Zusammenwirken findet immer auf der Basis von und in Interaktion mit Umweltvariablen statt. Der Qualität des sozialen Netzwerkes und den Arbeitsplatz- und Arbeitsmarktbedingungen kommt im Hinblick auf berufliche Performance ein besonderer Stellenwert zu. |
Beruflicher Wiedereingliederungserfolg
ist zu einem gewissen Grad von der Ausprägung der Psychischen Exekutive
abhängig, ist aber gleichzeitig nur bedingt personabhängig! Wenn
ein positives berufliches Outcome hauptsächlich auf ein ungewöhnlich
hohes Entgegenkommen durch Arbeitgeber bedingt ist, wäre es erstaunlich,
wenn dieses durch Variablen aus dem Therapieverlauf vorhergesagt werden
könnte. So betrachtet bleibt das Kriterium der beruflichen Wiedereingliederung
nach Hirnschädigungen zu einem gewissen Anteil unvorhersagbar. Die Rückkehr in den Beruf nach Hirnschädigung hängt ebenso intensiv von personunabhängigen Faktoren ab und darf in keinem Fall mit Arbeitsfähigkeit gleichgesetzt werden. In Anbetracht der Veränderungen der Arbeitsmarktlage mit ständig zunehmenden Anforderungen an individuelle Effizienz, Flexibilität und Lernfähigkeit muss diskutiert werden, inwieweit es überhaupt sinnvoll ist, Behinderte in den ersten Arbeitsmarkt wiedereinzugliedern. Rehabilitationspraktiker sollten sich als Vermittler zwischen dem Gesundheitssystem und den einzelnen Patienten begreifen, und somit nicht als "Vollstrecker" der Vorgaben von Sozialversicherungsträgern agieren. (Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in Kürze in der Fachliteratur veröffentlicht). Nach dem breitgefächerten wissenschaftlichen Programm fand ein interessanter Nachmittag seinen Ausklang in der Antikensammlung des Universitätsmuseums von Professor Sinn in der Residenz. |
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NOT 5/2002